Boom oder Bubble?

Boom! Das bestätigen die Wirtschaftszahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e. V. (IW): In 2018 ist kein Abschwung in Sicht. Die Baubranche verzeichnet ein 21-Jahres-Hoch. Game Changer wie Coworking, Micro-Living und Citylogistik sind im Trend und beflügeln auch ausländische Investoren. Die Immobilienpreise in unseren Metropolen sind in den vergangenen Jahren bereits explodiert und steigen auch weiter. So weit, so gut. Das Tempo, in dem die Preise steigen, lässt jedoch nach. Bubble?

Frau am Fenster

Spekulationsblase am Immobilienmarkt

Grund dafür ist die anhaltende Niedrigzinsphase. Sie ermöglicht eine große Nachfrage aufgrund günstiger Kredite. Das treibe die Preise dermaßen in die Höhe, dass der Verkaufspreis den Realwert zunehmend übersteigt, so die Annahme. Steigen die Zinsen, steigen auch die Kosten für die heute noch günstigen Kredite.

Schon mal von der Subprime-Krise gehört?

Ähnliche Mechanismen lösten 2007 in den USA die größte Immobilienkrise der Geschichte aus. Nichtsdestotrotz: Die Immobilienkonjunktur wird weiterhin positiv bewertet. Das zeigt auch das Trendbarometer 2018 der Ernst & Young Real Estate GmbH. Der deutsche Immobilienmarkt sei eher noch defensiv bewertet, lautet die Einschätzung der Wirtschaftsprüfer.

Wohnungseigentumsquote in Deutschland

Was die Wohneigentumsquote in Deutschland angeht, so ist zumindest noch Luft nach oben, denn diese ist im europäischen Vergleich mit 45 % weiterhin am niedrigsten im Euroraum. In Spanien beispielsweise ist sie nahezu doppelt so hoch. Während die Deutschen die Investition scheuen und als Volk der Sparer gelten, steigen ausländische Investoren aus den USA und China zunehmend in den deutschen Wohnimmobilienmarkt ein.

"Für internationale Immobilienkäufer ist die Bundesrepublik ein Eldorado: Sie steht für Rechtssicherheit, politische Stabilität und starke Wirtschaft – ein sicherer Hafen in turbulenten Zeiten um Brexit, Trump und Co." In den chinesischen Metropolen Hongkong, Shanghai oder Peking kostet ein Quadratmeter Wohnraum in zentraler Lage bis zu 18.000 € – die Preise auf dem hiesigen Markt wirken dagegen wie Schnäppchen. Auf der Top-Ten-Rangliste der weltweit teuersten Luxusimmobilien ist Hongkong 2017 gleich vierfach platziert, u. a. auf Platz 1 gefolgt von London und New York.

Gesteigerter Bedarf in Großstädten

Die Immobilienbranche heutzutage ist hingegen in Bewegung und Flexibilisierung ist im Trend. Durch hohe Kauf- und Mietpreise entwickelt sich vor allen Dingen das Angebot kleinerer und flexiblerer Einheiten für junge Menschen, die sich in den Städten jetzt weniger leisten können oder nur temporär vor Ort sind, um beruflich ein Projekt abzuwickeln. Der demografische Wandel, der Bevölkerungszuwachs in den Städten und die Arbeitsplatzverlagerung – z. B. durch den Brexit – steigern den Bedarf in Berlin, Hamburg, München und Frankfurt im sogenannten Student-Housing-Markt. Micro-Living-Apartments nach dem Plug-and-play-Prinzip und 24/7 Coworking-Spaces sind 2018 besonders angesagt.

Die Nachfrage ist groß, aber überall fehlen bezahlbare oder überhaupt Flächen für den Bauboom, denn der Zuzug in die Städte ist ungebrochen. Das macht erfinderisch und bringt weltweit neue Player an den Start. Google steigt ein, BMW MINI auch. Die einen entwerfen eine vernetzte und digitalisierte Modellstadt im kanadischen Toronto mit Taxibots, Liefer- und Müllrobotern.

Co-Living-Projekte

Die anderen stellen unter der Marke MINI Living das erste Co-Living-Projekt in Shanghai vor: Alles, was in den platzeffizienten Wohneinheiten keinen Raum findet, wird der Wohngemeinschaft auf öffentlichen Flächen angeboten. Auch ALDI mischt kräftig mit: „Eine Sensation’’ nennt WELT-Redakteur Michael Fabricius die Meldung, dass der Discounter ALDI zum Vermieter wird. Auf den eigenen, zentralen Grundstücken sollen alte ALDI-Märkte abgerissen und größere errichtet werden, die wiederum als Fundament für mehrstöckige Wohnblöcke dienen.

Zwei Pilotprojekte starten 2018 in Berlin. Dieser Trend nennt sich Verdichtung. Man nutzt vorhandene Flächen und optimiert diese durch Refurbishment, Auf- oder Umbau. So werden ehemalige Industriebauten und Verwaltungsgebäude zu attraktiven Wohnflächen im Industrial-Chic-Style. Jetzt neu im Portfolio sind sogar modernisierte Gefängnisse.