Ein Blick in die Herzen und Köpfe der Millennials

Was sind für Millennials die größten Probleme der Welt? Was ist ihnen im Beruf wichtig? Würden sie sich einen Chip einpflanzen lassen, um leistungsfähiger zu werden? Der Global Shapers Survey des Weltwirtschaftsforums, das vom 23. bis 26. Januar in Davos stattgefunden hat, gibt Antworten.

Brainstorming unter jungen Menschen

Die Hälfte der Weltbevölkerung ist unter 35 Jahre alt

Ihre Wertvorstellungen werden unsere Zukunft nachhaltig prägen. Der Global Shapers Survey des Weltwirtschaftsforums, die weltweit größte Umfrage unter Millennials, erlaubt einen einzigartigen Einblick in die Köpfe und Herzen der Generation der 18- bis 35-Jährigen. Mehr als 31 000 junge Menschen aus 186 Ländern haben sich daran beteiligt. Sie beantworteten Fragen zu ihren Wertvorstellungen sowie den Themengebieten Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, Arbeit und Technologie.

Nach dem größten globalen Problem gefragt, ist ihre Antwort eindeutig: Es ist der Klimawandel. Für sieben von zehn Befragten ist eindeutig bewiesen, dass er menschliche Ursachen hat. Nur gerade 2,6% zweifeln daran. Weiter machen den Millennials mögliche Großkonflikte und die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit Sorgen. 

Die fünf größten Probleme der Welt

Der Klimawandel ist für die Millennials eindeutig die aktuell größte Herausforderung der Menschheit . Fast die Hälfte der Befragten sieht das so. 

Auf nationaler Ebene stehen konkrete Themen zuoberst auf der Sorgenliste: Korruption, Ungleichheit, wirtschaftliche Chancen, fehlende Ausbildung und Armut. Korruption ist nicht nur das mit Abstand drängendste Problem, sie wird auch als wesentliche Ursache für die Ungleichheit im eigenen Land angesehen.

Es gibt aber große regionale Unterschiede: Korruption wird auf dem amerikanischen Kontinent mit 57,6% am häufigsten genannt (Asien: 49,7%, Afrika: 47,7%). In Europa dagegen steht sie mit 30,2% nur an vierter Stelle. Dort werden die Ungleichheit und die Alterung der Gesellschaft als viel problematischer wahrgenommen.

Die fünf größten Probleme im eigenen Land

Korruption, Ungleichheit und fehlende Arbeits- und Erfolgschancen sind für die Millennials die drängendsten nationalen Probleme.

Eine optimistische Generation, die sich ungehört fühlt

Generell sehen die Millennials – über alle Kontinente und Kulturen hinweg – ihre Zukunft positiv. Zwei Drittel finden, die Welt sei voll von Möglichkeiten. Nur ein Drittel sieht sie als Ort der Schwierigkeiten und Anstrengungen. Am zukunftsfreudigsten äußern sich, was man angesichts der Probleme des Kontinents nicht unbedingt erwarten würde, mit 71,5% die Afrikaner (Amerika: 68,4%, Europa: 67%, Asien: 61,6%).

Die Welt ist voll von...

Allerdings fühlen sich die jungen Menschen auf keinem Kontinent von Politik und Wirtschaft wirklich ernst genommen. 55,9% sagen, ihre Meinung zähle bei wichtigen Entscheidungen nicht oder eher nicht. In Europa fühlen sich sogar sechs von zehn Befragten von den Entscheidungsträgern ignoriert.

Millennials fühlen sich ignoriert

«Werden in Ihrem Land die Meinungen junger Menschen bei wichtigen Entscheidungen mit einbezogen?» Auf diese Frage sagen fast 60% der europäischen Millennials: eher nein oder nein.

Für Klaus Schwab, Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums, ist es wichtig, dass die Entscheidungsträger besser auf die Jungen hören, denn: «Um Lösungen für unsere globalen Probleme zu finden, müssen wir gezielt die Jugend einbeziehen. Diese Generation hat die Leidenschaft, die Dynamik und den Unternehmergeist, um die Zukunft zu gestalten.»

„Die jungen Leute haben die Leidenschaft, die Dynamik un den Unternehmergeist, umj die Zukiunft zu gestalten.“ Klaus Schwab, Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums

Neues Verständnis von Arbeit

Der Global Shapers Survey zeigt auch, dass die Millennials in Europa großen Wert auf die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit legen. Sie möchten mit ihrem Beruf die Gesellschaft verändern können. Für gut die Hälfte ist dies das wichtigste Kriterium bei der Wahl einer Stelle – und nicht etwa der Lohn oder die Karrieremöglichkeiten. Die Sinnhaftigkeit der Arbeit liegt auf sämtlichen Kontinenten in den Top-3-Kriterien bei der Jobsuche.

Millennials wollen eine sinnvolle Arbeit

Die Millennials haben, insbesondere in Europa, eine andere Vorstellung von Arbeit als frühere Generationen. Wichtiger als Lohn und Karriere sind ihnen die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit, die Möglichkeit, die Gesellschaft zu verändern, sowie eine ausgeglichene Work-Life-Balance.

Als CEO der Adecco Group kennt Alain Dehaze die Wünsche und Bedürfnisse der Millennials bestens. Der global führende Arbeitsvermittler bringt jeden Tag 700 000 Arbeitskräfte mit 100 000 Unternehmen zusammen. «Ich bin begeistert von der Zielstrebigkeit und den ethischen Grundsätzen der Millennials», sagt er. «Sie streben nach Sinn und lassen sich von Pflichtbewusstsein antreiben. Schon dadurch leisten sie einen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft. Für Millennials ist es entscheidend, dass sie einen Arbeitsplatz bei Organisationen finden, die diese Werte auch widerspiegeln.»

Es ist unser Aufgabe, die Berufswelt gemeinsamt mit der Jugend zu gestalten: Wir müssen nicht nur für Voraussetzungen, sondern auch für sinnhafte Anreize sorgen. Alain Dehaze, CEO Adecco Group

Am zweitwichtigsten ist den Millennials in Europa die Work-Life-Balance. «Sie wünschen sich mehr Flexibilität im Beruf, um ihrer Leidenschaft nachgehen zu können und gleichzeitig in ihrem Privatleben die richtige Balance zu finden», sagt Alain Dehaze. «Es ist unsere Aufgabe, die Berufswelt gemeinsam mit ihnen zu gestalten. Das heisst, wir müssen nicht nur für Voraussetzungen, sondern auch für sinnhafte Anreize sorgen. Im aktuellen Umbruch der Arbeitswelt sollte das vor allem auch für Freelancer gelten. Deren Flexibilität spricht Millennials besonders an.»

Neue Technologien? Ja klar

Zu neuen Technologien haben die Millennials weltweit ein unbefangenes, ja optimistisches Verhältnis. Über drei Viertel (78,6%) glauben, dass sie eher Arbeitsplätze schaffen als zerstören werden. Künstliche Intelligenz werde unsere Gesellschaft am stärksten verändern, glauben die meisten, vor Biotechnologie und Robotik.  

Die Technikeuphorie hat aber auch bei den jungen Menschen Grenzen. So würde sich nur eine Minderheit ein Implantat ins Gehirn oder unter die Haut einpflanzen lassen, um leistungsfähiger zu werden.

Vom Mensch zum Cyborg?

«Wären Sie bereit, sich ein Implantat unter die Haut oder ins Gehirn einpflanzen zu lassen, wenn das Ihre Fähigkeiten steigern würde ?»