Interview: „Nachhaltige Kapitalanlagen sind ein echtes Trend-Thema“

Nachhaltigkeit hält inzwischen auch bei Investitionen immer mehr Einzug. Unsere Kunden stellen unseren Beratern immer häufiger Fragen dazu. Wir haben daher mit Jan Pfeiler gesprochen, der seit fünf Jahren Leiter des tecis-Büros in der Johnsallee in Hamburg Rotherbaum ist und regelmäßig Investmentabende veranstaltet. Er gibt Einblicke in seine Erfahrungen und Einschätzungen rund um nachhaltige Kapitalanlagen.

Interview nachhaltige Kapitalanlagen - Jan Pfeiler - tecis

Welche Kundenfragen kommen zum Thema nachhaltige Kapitalanlagen am häufigsten auf?

Das ist ganz unterschiedlich, je nachdem wie stark sich ein Kunde bereits mit dem Thema beschäftigt hat. Am häufigsten höre ich die Frage, ob sich nachhaltige Kapitalanlagen und Rendite überhaupt miteinander vereinbaren lassen. Dazu zitiere ich gerne diverse Studien, die belegen, dass nachhaltige Kapitalanlagen und Rendite kein Widerspruch sind! Ganz im Gegenteil. Viele Menschen interessiert auch, was  nachhaltige Kapitalanlagen überhaupt sind und ob vieles nicht bloß Greenwashing* ist. Auch hier kläre ich gerne auf. Das Thema ist neu, Regularien sind nur bedingt vorhanden und da verstehe ich es, wenn unsere Kunden viele Fragen haben. Wir stehen gern mit Antworten zur Seite.

Siehst du einen wachsenden Trend in diesem Bereich?

Eindeutig! Ab 2022 wird die EU einheitliche Standards einführen, um privaten Anlegern das Erkennen von nachhaltigen Kapitalanlagen zu erleichtern. Anlageberater werden infolge der EU-Vermittlerrichtlinie zukünftig neben den "klassischen" An​lagen den Kunden auch über die Möglichkeit von nachhaltigen Kapitalanlagen aufklären. Ich merke, dass bei den meisten Menschen (natürlich auch durch die Fridays for Future-Bewegung) ein grundsätzliches Umdenken stattfindet. Man nimmt z. B. seinen eigenen Beutel mit zum Supermarkt, nimmt häufiger das Rad als das Auto und bezieht seinen Strom von einem Ökostromanbieter. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass das Thema noch mehr Fahrt aufnimmt und sich noch mehr Anleger dafür interessieren, wie sie mit ihrer Geldanlage noch mehr Gutes tun können – zum Beispiel indem sie in Unternehmen investieren, die auch nachhaltig wirtschaften. 

Was gilt es deiner Meinung nach dabei zu beachten?

Bevor sich jemand Gedanken über nachhaltiges Investieren macht, sollte man sich zuallererst darüber im Klaren werden, was man persönlich als nachhaltig empfindet. Reicht es mir, wenn ein Fonds keine Kohle-Gas-Kraftwerke fördert oder sind mir Themen wie Korruption, Verzicht auf Kinderarbeit und Waffenproduktion ebenfalls wichtig? Unabhängig davon, ob man nachhaltig oder nicht-nichthaltig investieren möchte, sollte man sich überlegen, welches Risiko-Rendite-Profil man mit seiner Anlage gerne eingehen möchte. Dabei sollte man sich selbst und seine Persönlichkeit hinterfragen. Grundsätzlich gilt: Jede Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden.** Bin ich grundsätzlich eher auf Sicherheit in meinem Leben aus, passt ein Investment mit geringerem Risiko bzw. wenig Schwankung eher zu mir. Es ist bekannt, dass die Rendite tendenziell höher sein kann, wenn man mehr Schwankungen eingeht, wenn ich dann aber ein gutes Gewissen habe und aufgrund der Schwankung nicht gut schlafen kann, ist mir damit auch nicht geholfen. Die Streuung (Allokation) in mehrere Fonds durch einen guten Berater kann hier aber helfen, die Schwankungen im gesamten Portfolio zu reduzieren. Letztendlich haben nachhaltige Investments kein höheres oder niedrigeres Renditerisiko. Auch hier kann wie bei klassischen Investments in verschiedene Risikoklassen investiert werden. 

Hast du Tipps für alle, die sich für das Thema interessieren?

Wer nachhaltig investieren möchte, sollte sich unbedingt individuell beraten lassen. Viele Banken bringen aufgrund des geplanten EU-Standards Fonds auf den Markt, die bei genauerem Hinschauen nicht wirklich nachhaltig sind. Hier kann ein professioneller Berater helfen, die wirklich nachhaltigen Anbieter zu identifizieren. Bei tecis selektieren wir Fonds nach strengen Kriterien. Hierzu gehören auch Nachhaltigkeitskriterien. Das Ergebnis ist dann die Grundlage für die Beratungsgespräche mit unseren Kunden.

Wie siehst du die Zukunft von nachhaltigen Kapitalanlagen?

Nachhaltigkeit ist ein echtes Trend-Thema. Dieses wird vor allem durch die immer strenger werdenden Regularien in sämtlichen anderen Lebensbereichen befeuert. Eine spannende Zahl dazu: 180 Milliarden Euro müssten Anleger jährlich nachhaltig anlegen, um die Klimaziele der EU zu erfüllen. Ich glaube, dass das mit etwas Anstrengung machbar wäre, und die EU viele Maßnahmen ergreifen wird, um damit einen großen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Meiner Einschätzung nach werden diese Maßnahmen die Anlageklasse der nachhaltigen Fonds zukünftig noch stärker beflügeln. Ich bin gespannt, wie sich das Thema weiterentwickelt und freue mich, wenn Kunden vermehrt mit dem Wunsch des nachhaltigen Investierens auf mich zukommen.

*Greenwashing Definition laut Duden: Versuch (von Firmen, Institutionen), sich durch Geldspenden für ökologische Projekte, PR-Maßnahmen o. Ä. als besonders umweltbewusst und umweltfreundlich darzustellen.

**Risikohinweis: Der Anlagewert sämtlicher Anlagen kann Schwankungen unterworfen sein. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung und bietet keine Garantie für einen Erfolg in der Zukunft. Anlagerisiken aus Kurs- und Währungsverlusten sowie aus erhöhter Volatilität und Marktkonzentration können nicht ausgeschlossen werden.

Die Angaben zu den aufgeführten Anlagen in diesem Dokument dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie stellen keine Anlageberatung dar und auch kein Angebot zum Verkauf oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum.

Wir haben nicht geprüft, ob diese Anlage für Ihre individuellen Anforderungen und Ihre Risikofähigkeit geeignet ist. Bei den aufgeführten Daten handelt es sich um eine Zusammenfassung, die Entscheidung über eine Anlage sollte immer in Abstimmung mit einem zertifizierten Berater erfolgen.

Kontakt-Symbol