Frugalismus: Mit 40 in Rente?

Nie wieder arbeiten müssen: Auf dieses Ziel arbeiten die Frugalisten hin. Sie sparen eine Zeit lang extrem, um anschließend mehrere Jahrzehnte lang von ihrem Vermögen leben zu können. Hier erfährst du mehr über diese Bewegung und darüber, welche Tipps du aus den Strategien der Frugalisten für deinen eigenen Umgang mit Geld mitnehmen kannst.

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Wusstest du, dass Corona auch das Sparverhalten der Deutschen maßgeblich beeinflusst hat?

Während wir normalerweise jedes Jahr durchschnittlich 10 bis 11 Prozent unseres verfügbaren Einkommens sparen, kletterte dieser Wert im Pandemiejahr 2020 auf über 16 Prozent. Das ist angesichts der Einschränkungen, die wir erlebt haben und aktuell immer noch erleben, wenig verwunderlich: Gestrichene Reisen, Shoppingausflüge, Restaurant-, Club- und Konzertbesuche schlagen bei den Ersparnissen positiv zu Buche.

Ob man nur ein Zehntel oder aber ein Sechstel seines Jahreseinkommens anspart – das macht schon einen Unterschied. Für die Frugalisten jedoch sind selbst die 16 Prozent nur Peanuts: Sie tun alles dafür, um Jahr für Jahr zwischen 50 und 80 Prozent ihres Einkommens auf die hohe Kante zu legen.

Jetzt verzichten, um später zu genießen

Die Begriffe Frugalismus und Frugalisten leiten sich von dem lateinischen Wort frugalis ab, was so viel wie „sparsam“ oder „genügsam“ bedeutet. Damit ist auch schon das Wesen dieser Philosophie erklärt: Frugalisten leisten sich im Hier und Jetzt deutlich weniger, als sie könnten – mit dem erklärten Ziel, irgendwann so viele Rücklagen gebildet zu haben, dass sie einen erheblichen Teil ihres Lebens in finanzieller Unabhängigkeit verbringen können.

Die Idee stammt aus den USA, wo ihre Anhänger den Begriff FIRE geprägt haben. Dieser versinnbildlicht nicht nur die Leidenschaft, mit der sie für ihr Ziel brennen, sondern steht auch für die Formel Financial Independence, Retire Early – was so viel heißt wie „finanzielle Unabhängigkeit, gehe früher in Rente“.

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Die FIRE-Bewegung geht wahrscheinlich auf das Buch Mehr Geld für mehr Leben zurück, das 1992 erstmals verlegt wurde und inzwischen in der sechsten Auflage erschienen ist. Darin beschreiben die Autoren Vicki Robin und Joe Dominguez, wie man mithilfe eines Neun-Stufen-Programms mehrere Jahrzehnte des Arbeitslebens einsparen kann: Joe Dominguez selbst ist mit nur 30 Jahren in den Ruhestand gegangen. Möglich wird dies, so berichtet er, indem man einige Jahre lang absolut minimalistisch lebt.

Wie das konkret aussehen kann, hat ein deutscher Frugalist im April 2018 in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL verraten: Er gab das Rauchen auf, verzichtete konsequent aufs Reisen, ging gar nicht mehr mit seinen Freunden aus. Die einzige Lichtquelle in seiner Wohnung war eine einzelne Glühbirne, und wer zu Besuch kam, musste ebenso wie der Hausherr beim Toilettengang so kurz wie nur irgend möglich spülen. Sieben Jahre lang hat der Frugalist so gelebt und dadurch jeden Monat bis zu 70 Prozent seines Einkommens gespart. Diesen Betrag hat er gewinnbringend investiert, und so konnte er mit Mitte 40 seine Festanstellung aufgeben und vom Ersparten leben.

Wie viel ist genug?

Ersparnisse, die mehrere Jahrzehnte lang reichen – das ist das Ziel, auf das die Frugalisten hinarbeiten. Wie sieht es aktuell bei dir aus? Wie lange würdest du auskommen, wenn du plötzlich keinerlei Einkünfte mehr hättest?

Die Volkswirtin Dr. Anita Tiefensee hat sich 2017 im Auftrag des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung mit der Frage befasst, wie lange die Deutschen ihren aktuellen Konsumstatus halten könnten, wenn sie nur noch ihr angespartes Vermögen zur Verfügung hätten. Das Ergebnis war ernüchternd: Knapp ein Drittel der Haushalte könnte den derzeitigen Lebensstandard nur wenige Wochen oder Monate lang sichern. Weitere 20 Prozent würden etwa zwei Jahre hinkommen. Aber immerhin fünf Prozent der Deutschen würden 21 Jahre lang vom Ersparten leben können.

Wie aber berechnen die Frugalisten den magischen Tag X, an dem sie die finanzielle Freiheit erreicht haben? Antworten auf Fragen wie diese liefert der Internetblog www.frugalisten.de. Dort wird vorgerechnet, wie hoch die Ersparnisse sein müssen, um finanziell unabhängig zu sein: Es muss mindestens das 25-Fache des jährlichen Verbrauchs auf der hohen Kante liegen. Denn, so die These, wenn man nicht mehr als vier Prozent des Vermögens entnimmt, kann man nicht pleitegehen. Wer also dauerhaft monatliche Ausgaben in Höhe von 2000 Euro bestreiten will, ohne Einkommen zu beziehen, braucht ein angespartes Vermögen von 600.000 Euro.

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Du musst kein Frugalist werden, um besser zu leben

Zugegeben, mal eben 60 oder 70 Prozent des Monatseinkommens zu sparen kann sich nicht jeder leisten – oder möchte es auch gar nicht. Denn das würde ja bedeuten, dass man mit den 30 oder 40 Prozent, die man ausgeben „darf“, sämtliche Kosten decken kann, Miete inklusive. Gerade für Geringverdiener und alleinerziehende Elternteile dürfte das schwierig werden. Andererseits möchte vielleicht auch nicht jeder jahrelang so extreme Einschnitte in die Lebensqualität hinnehmen, wie es im SPIEGEL-Interview beschrieben wurde. Vielleicht ist es dir wichtig, zu reisen, mit deinen Freunden eine gute Zeit zu haben, ab und zu genussvoll essen zu gehen – und das ist völlig in Ordnung.

Dennoch lassen sich aus der Frugalisten-Bewegung interessante Spartipps und Gedankenanstöße ableiten, die dir dabei helfen können, dein Sparverhalten zu optimieren. Denn bereits das Verlassen des Bereiches der Vermögensstatistik, in der du nur wenige Wochen oder Monate mit deinem Ersparten auskommen würdest, dürfte dir einen ruhigeren Schlaf und mehr Gelassenheit bei Ärger im Job bescheren.

Wenn du weiter recherchierst, findest du zum Beispiel einen Artikel darüber, wie du für 100 Euro im Monat gut und gesund essen kannst. Du musst dabei die 100-Euro-Grenze nicht sklavisch einhalten, aber Mahlzeiten selbst zuzubereiten hat neben dem Spareffekt auch positive Auswirkungen auf deine Gesundheit. Ebenfalls spannend sind diese Tipps, wie du bewusster mit deinem Geld umgehen kannst, ohne deswegen gleich zu viel entbehren zu müssen – indem du zum Beispiel Dinge leihst (Stichwort Share Economy), deinen Coffee to go selbst zubereitest (Ersparnisse bis zu 13.000 Euro in 10 Jahren möglich) oder beim Onlineshopping bewusst eine dreitägige Wartezeit festlegst, um spontane Impulskäufe zu vermeiden. Angenehmer Nebeneffekt: Wenn du dein Leben in dieser Hinsicht überdenkst und in einigen Punkten anpasst, leistest du gleichzeitig einen wichtigen Beitrag für Nachhaltigkeit und ein besseres Klima.

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Lass dein Geld mitarbeiten

In einem Punkt ist nach unser Auffassung den Frugalisten aber uneingeschränkt zuzustimmen: Du musst dein Geld für dich arbeiten lassen. Nennenswerte Spareffekte entstehen in der Regel über lange Zeiträume. Auch die Risikostreuung funktioniert erfahrungsgemäß zuverlässiger, wenn du dein Vermögen langfristig anlegst. Wenn du frühzeitig beginnst, kann selbst aus vergleichsweise kleinen monatlichen Beträgen am Ende ein stattliches Vermögen anwachsen. Um deine persönlichen finanziellen Ziele zu erreichen, stehen dir alle Möglichkeiten offen:

  • Fondssparen kann sich trotz aller Risiken selbst dann lohnen, wenn du monatlich nur 25 Euro anlegen kannst. Die professionelle Verwaltung des Fonds durch den Fondsmanager kümmert sich darum, dass Risiken gestreut und Kursschwankungen erfahrungsgemäß auf längere Sicht ausgeglichen werden.
  • Börsengehandelte Indexfonds, kurz ETF, liegen ebenfalls voll im Trend. Ihre Verwaltung ist günstiger als die von Fondssparplänen, allerdings verzichtest du hier auf das professionelle Management.
  • Ein Tipp für Berufsanfänger: In vielen Fällen bietet der Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen oder eine betriebliche Altersversorgung.
  • Klingt etwas angestaubt, ist aber vor allem für unmittelbar förderberechtigte Studenten und Azubis immer noch gut: die Riesterrente, die es längst auch als fondsgebundene Variante gibt.
  • Derzeit gilt mehr denn je: Schnell sein lohnt sich. Denn seit Kurzem steht im Gesetzesblatt fest, dass der Rechnungszins von 0,9 Prozent auf 0,25 Prozent zum 01.01.2022 gesenkt wird. Das bedeutet: Der Zinssatz, der u.a. maximal für die Berechnung des Vermögensaufbaus mit fondsbasierten Rentenversicherungen mit Garantien angesetzt werden darf, könnte künftig niedriger ausfallen. Die Folge ist, dass mehr Geld in sichere Anlageformen eingezahlt werden muss, um deine gewünschte Garantie abzusichern. Umso weniger Geld bleibt dir dann für die Fondsanlage übrig.

Du siehst, dir steht ein bunter Strauß an Möglichkeiten zur Verfügung, um langfristig dein Wunschvermögen aufzubauen. Wie du am besten zum Ziel kommst, erfährst du im Rahmen einer individuellen Beratung, bei der unsere Experten diese Möglichkeiten speziell für dich ausloten. 

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