Rechnungszins-Erhöhung: Wichtige Infos
In unseren FAQs zum Thema „Rechnungszins-Erhöhung“ erfährst du, welche Auswirkungen die Anhebung des Höchstrechnungszinses auf deine private Vorsorge haben kann. Wir geben dir Antworten auf die Frage: Was passiert, wenn der Rechnungszins steigt?
Rechnungszins-Erhöhung? Das steckt dahinter!
Nachdem 24 Jahre lang der Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung in Deutschland nur eine negative Entwicklung kannte, ist es so weit: Das Bundesministerium für Finanzen (BMF) hat eine Anhebung des Höchstrechnungszinses zum 1. Januar 2025 angekündigt. Der Rechnungszins liegt aktuell bei 0,25 Prozent und soll nun auf 1 Prozent angehoben werden. Diese Anhebung wirkt sich positiv auf die Kalkulation der Lebensversicherungsprodukte, da Versicherer ihren Kundinnen und Kunden dadurch bei sonst gleichbleibenden Faktoren eine höhere Garantierente bieten können. Was das konkret bedeutet und warum es sich lohnen kann, dennoch bereits jetzt deine Altersvorsorge und/oder Einkommenssicherung anzugehen, haben wir für dich zusammengefasst.
Was ist der Rechnungszins?
Der Höchstrechnungszins bezeichnet den Zinssatz, der maximal zur Kalkulation bei Vorsorgelösungen mit fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen mit Garantien (z. B. 80 Prozent Bruttobeitragsgarantie zum Rentenbeginn) angesetzt werden darf. Aktuell liegt er noch bei 0,25 Prozent und soll zum Jahreswechsel auf 1 Prozent erhöht werden – und davon können Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren. Denn je höher der Zins, desto mehr deiner Beiträge können in chancenorientierte Anlagen investiert werden. Der vom Bundesfinanzministerium vorgegebene Höchstzinssatz darf bei der Berechnung von den Versicherungsunternehmen nicht überschritten werden; darunter haben die Versicherungsunternehmen ihren Spielraum. Der Zinssatz wird zum Vertragsbeginn vereinbart und gilt in der Regel für die gesamte Laufzeit.
Warum wird der Rechnungszins angehoben?
Wie bereits bei der letzten Absenkung 2022 kam nun auch die Empfehlung für die Anhebung des Rechnungszinses von der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Diese hatte Ende November 2023 die Empfehlung ausgesprochen, der nun das Bundesministerium für Finanzen folgen will. Grundlage der Empfehlung war das durch die Inflation nachhaltig veränderte Zinsniveau: Die Expertinnen und Experten des DAV gehen davon aus, dass aufgrund dessen auch bei langfristigen Staatanleihen Renditen von 2 Prozent bestehen bleiben. Die Anhebung des Rechnungszinses ist die erste Anhebung seit 1994.
Was ist der Unterschied zwischen dem Garantiezins oder Höchstrechnungszins?
Oftmals wird der Garantiezins mit dem Höchstrechnungszins im alltäglichen Sprachgebrauch synonym verwendet. Dies ist aber nur bedingt richtig. Bei intensiver Betrachtung lässt sich feststellen, dass es sich um verschiedene Werte handelt. Der Begriff Garantiezins bezeichnet den Wert, den Versicherungen ihren Kunden bei der Beitrags- und Leistungsberechnung mindestens zusichern. Dieser Zins kann aber auch unterhalb des Höchstrechnungszinses liegen. Da allerdings oftmals beide Werte identisch sind, kommt es zu diesem gleichen Zungenschlag.
Welche gesetzliche Grundlage gibt es für den Höchstrechnungszins?
Die Entscheidung über eine Veränderung des Höchstrechnungszinses obliegt dem Bundesministerium für Finanzen (BMF), wobei dieses auch die Empfehlungen der Finanzaufsicht BaFin berücksichtigt. In der Fünften Verordnung zur Änderung von Verordnungen nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz ist diese Entscheidung über die Anpassung der Deckungsrückstellungsverordnung verankert.
In der Deckungsrückstellungsverordnung (§2 DeckRV) findet sich die Begrifflichkeit des Höchstzinssatzes wieder. Im Absatz 1 wird hierbei der aktuelle Wert von 0,25 Prozent festgelegt, mit dem Versicherer die sogenannten Deckungsrückstellungen kalkulieren dürfen.
Wie wirkt sich der Höchstrechnungszins und dessen Anhebung aus?
Der Höchstrechnungszins hat entscheidende Auswirkungen auf die garantierten Leistungen vor allem bei langfristigen Verträgen wie Produkten für die Altersvorsorge und Einkommenssicherung. Hierbei wird sowohl in der Kalkulation der notwendigen Garantien in der Rentenphase zur Ermittlung der Rentenhöhe und bei der Ermittlung des Risikobeitrages (Einkommenssicherung) auf diesen Zins zurückgegriffen. Je höher der Rechnungszins, desto weniger Geld ist für die Bildung der Garantie notwendig. Das bedeutet auch, dass mehr Geld für die freie Anlage zur Verfügung steht. Und genau dort sollte der Großteil des Vertragsvermögens angesammelt sein, damit der Vertrag an den Chancen des Kapitalmarktes partizipieren kann.
In Hinblick auf die Altersvorsorge bedeutet ein höherer Rechnungszins konkret, dass wieder höhere Garantieniveaus bei der Altersvorsorge möglich sind. So können Altersvorsorgeprodukte mit einem höheren Rechnungszins bessere Garantieleistungen über höhere Rentenfaktoren ermöglichen. Diese stellen eine feste Berechnungsbasis für die spätere Altersvorsorge dar. Neben dem Rechnungszins sind zudem Faktoren wie die Flexibilität der Verträge und die Seriosität des Anbieters wichtig, weshalb eine umfassende Finanzberatung dabei helfen kann, alle relevanten Faktoren zu berücksichtigen und die optimale Entscheidung für dich persönlich zu treffen.
Aber auch die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sowie die Alternativen zur Absicherung deiner Arbeitskraft (Grundfähigkeitsversicherung, Dread-Disease-Versicherung, Erwerbsunfähigkeitsversicherung) sind von der Anhebung des Rechnungszins betroffen. Denn auch hier führt eine höhere Verzinsung in der Regel zu einer höheren garantierten Leistung bei gleichem Preis – also einer höheren Rente –, solltest du berufsunfähig werden und eine Berufsunfähigkeitsrente erhalten. So kann eine 27-jährige Person beispielsweise, ihre BU-Lücke bei gleichem Beitrag bis zum Endalter von 67 mit einer aufsummierten Rentenhöhe von 504.000 Euro absichern, statt 480.000 Euro. Das sind ganze 24.000 Euro mehr Sicherheit und damit ein wertvolles Asset in Zeiten steigender Inflation! Bei der Kalkulation der Prämie im Bereich Arbeitskraftabsicherung spielen jedoch mehrere Faktoren, als nur der Höchstrechnungszins eine Rolle. Insbesondere die verwendeten Invaliditätstafeln, Berufsgruppeneinstufungen oder die Differenzierung von Rauchern wirken auf den Preis. Da es auch bei der Absicherung deiner Arbeitskraft neben dem Rechnungszins weitere Faktoren zu beachten gilt, wie beispielsweise die Definition der Berufsunfähigkeit, die Nachversicherungsgarantie und die Bedingungen für eine Leistungsauszahlung, ist auch hier eine individuelle Finanzberatung empfehlenswert.
Warum sollte ich meine Altersvorsorge und Arbeitskraftabsicherung nicht bis zur Erhöhung des Rechnungszins aufschieben?
Auch wenn die Erhöhung des Rechnungszinses erst mit dem Jahreswechsel in Kraft treten soll, empfiehlt es sich dennoch, bereits jetzt deine Arbeitskraftabsicherung und Altersvorsorge anzugehen. Denn in der Arbeitskraftabsicherung gilt: Je früher, desto besser. Während dein Gesundheitszustand heute vielleicht noch tip top ist, kann es bereits morgen anders aussehen. Kümmerst du dich zeitnah um deine Absicherung, kannst du direkt vom Versicherungsschutz profitieren und sicherst dir deinen aktuellen Gesundheitszustand.
In der Altersvorsorge können die Monate bis zum Jahreswechsel ebenfalls wertvoll sein, denn wie auch bei der Arbeitskraftabsicherung profitierst du von einem möglichst frühen Start: Jeder Monat, den du in deine private Altersvorsorge einzahlst, macht sich am Ende bemerkbar und wird durch den Zinseszinseffekt noch verstärkt. Dieser hat vor allem für Sparende, die nur einen geringen Beitrag für ihre Altersvorsorge erbringen können, erhebliche Auswirkungen.
Unter den Versicherungsunternehmen gibt es unterschiedliche Strategien im Umgang mit der Erhöhung des Rechnungszinses. Besonders hervorzuheben ist, dass ausgewählte Anbieter Neukundinnen und -Kunden sowie teilweise auch Bestandskundinnen und -Kunden eine Überprüfung ihrer Verträge ab dem Stichtag der Erhöhung am 1.1.2025 anbieten (Besserstellungsgarantie). Eine Finanzberaterin oder ein Finanzberater kann dir bei der Überprüfung deiner bestehenden Verträge helfen und dir im Fall einer möglichen Anpassung langfristig erhebliche finanzielle Vorteile bringen.
Gestalte deine private Vorsorge mit teamzukunft
Lass dich beraten und sichere dich jetzt noch frühzeitig ab, um deine Vorsorgelücken zu schließen und direkt zum Jahresstart 2025 von den neuen Konditionen zu profitieren!