Warum ist die Inflation gerade so hoch und welche Auswirkungen hat das?

Im Januar 2021 haben 250 Gramm Butter im Supermarkt um die Ecke noch 2,11 Euro gekostet, ein Jahr später kostete die gleiche Butter 2,46 Euro – der Preis ist um 16,9 Prozent gestiegen. Milch ist 4,4 Prozent teurer geworden, Getreidemehl 14,5 Prozent. Die Stromrechnung liegt heute fast anderthalbmal so hoch wie noch vor einem Jahr. Wenn alles im Laufe der Zeit teurer wird, spricht man von Inflation. Und die ist gerade ziemlich hoch (Stand: April 2022), was die finanzielle Selbstbestimmung vieler Menschen gefährdet.

Warum ist die Inflation aktuell so hoch?

Verbraucherpreisindex steigt

Die Inflationsrate wird monatlich vom Statistischen Bundesamt berechnet: Dabei werden die Preise von etwa 750 Gütern – diese stammen aus allen Bereichen des täglichen Bedarfs – ermittelt und nach dem vermuteten Durchschnittsbedarf gewichtet. Die preisliche Entwicklung dieses Warenkorbs nennt man auch Verbraucherpreisindex. Wenn die durchschnittlichen Preise gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen sind, spricht man von Inflation. Wenn sie gefallen sind, was eher selten vorkommt, spricht man von Deflation.  

Einfluss der Notenbanken

Die Notenbanken weltweit, darunter die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve (FED), können durch ihre Geldpolitik teilweise auf die Preisentwicklung Einfluss nehmen. Die meisten Zentralbanken haben sich eine kleine Inflation von rund 2 Prozent zum Ziel gesetzt. Dadurch wird das Geld zwar langsam entwertet, aber so behalten die Zentralbanken die Kontrolle, denn eine geringe Inflation ist besser zu kontrollieren als eine Deflation.
Von diesen 2 Prozent Inflation sind wir aktuell weit entfernt. In Deutschland lag die Inflation im Januar 2022 bei 4,9 Prozent, in den USA sogar bei 7,5 Prozent. Es gibt eine Reihe von Entwicklungen, die zu einer solch hohen Teuerungsrate führen. Fachleute gehen sogar davon aus, dass die Inflationsrate im laufenden Jahr noch einmal höher ausfallen könnte.
Die Pandemie mit ihren Einschränkungen des Alltags hat vor allem im Jahr 2020 eine Wirtschaftskrise herbeigeführt. Um einen Zusammenbruch zu verhindern, haben die Notenbanken weit mehr Geld „gedruckt“ als sonst und die Zinsen niedrig gehalten. So konnten sich die Staaten einfacher verschulden, um Konjunkturprogramme zu starten und Wirtschaftshilfen bereitzustellen, damit möglichst viele Unternehmen durch die Krise kommen. Das hat recht gut funktioniert, nur ist jetzt auch mehr Geld im Umlauf.  

Auswirkungen der Pandemie

Hinzu kommt, dass die Pandemie auch die Fabriken, die Häfen und die Logistik stark beeinflusst, teilweise sogar lahmgelegt hatte. Es konnte weniger produziert werden. Anfangs war das kein Problem, weil die Wirtschaft zeitweise ausgebremst war. Die Menschen gaben weniger Geld aus. Doch die Wirtschaft erholte sich schneller, als die Produktion wieder hochgefahren werden konnte. Die weltweiten Lieferketten konnten die Nachfrage nicht bedienen. Wenn das Angebot geringer ist als die Nachfrage, steigen die Preise.


Bei einer höheren Inflation, wenn die Preise also wie jetzt zügig steigen, verliert das Geld an Kaufkraft: Wir können uns für denselben Betrag weniger leisten, wenn alles teurer ist. Deshalb betrifft die Inflation uns alle: Wir bekommen sie beim Einkaufen im Supermarkt zu spüren, bei der monatlichen Gasrechnung, beim Essengehen im Restaurant. Wenn das Gehalt langsamer steigt als die Inflation, wird man de facto ärmer. Vor allem diejenigen Menschen, die eher wenig verdienen, leiden unter der hohen Teuerungsrate. Eine finanziell selbstbestimmte Zukunft wird somit für Viele zu einer echten Herausforderung.


Die Inflation ist bereits seit einigen Monaten so hoch wie seit 29 Jahren nicht mehr. Anfangs sahen die Notenbanken diese Entwicklung gelassen, gingen von einer vorübergehenden Phase aus: Wenn Lieferketten wieder funktionieren, steige auch das Angebot und die Preise würden sich stabilisieren, so die Annahme. Doch mittlerweile ist man davon abgerückt. Die Inflation verliert nicht an Schwung, im Gegenteil: Sie gewinnt an Fahrt. Und sie droht, sich zu verselbstständigen.
Die Wirtschaft zieht an, die Gehälter beginnen zu steigen. In den nächsten Tarifrunden der Gewerkschaften dürfte sich das fortsetzen – klar, es liegt nahe, den Lohn mindestens um die Inflationsrate zu steigern, um ebendiese Inflation auszugleichen. Doch wenn die Löhne steigen, wird auch die Produktion teurer. Die Unternehmen müssen die Kosten an die Kundinnen und Kunden weitergeben – wieder steigen die Preise. Ein Teufelskreis.  

Schon gewusst: Greenflation

Auch die grüne Energiewende ist ein Stück weit zum Inflationstreiber geworden: Fossile Energiequellen wie Erdöl werden weniger gefördert, doch sie werden noch immer in großen Mengen gebraucht. Die Folge: Das Angebot sinkt, die Nachfrage bleibt gleich – die Preise steigen. Expertinnen und Experten bezeichnen diesen Effekt gern als Greenflation.

Maßnahmen gegen steigende Inflation

Seit wenigen Wochen bezeichnen nun auch die Notenbanken die Inflation als Problem, bei dem es zu handeln gelte. „Der Rat ist einhellig besorgt über die gestiegene Inflation“, sagte zum Beispiel EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf einer Pressekonferenz. Aber was können die Notenbanken überhaupt gegen die Inflation tun? Es gibt vor allem zwei Maßnahmen, mit denen sie einer steigenden Inflation entgegenwirken können.


Zum einen können die Zentralbanken den Geldhahn ein Stück weit zudrehen. Dies geschieht vor allem dadurch, dass sie ihre Anleihenkäufe zurückfahren und damit weniger Liquidität in den Wirtschaftskreislauf hineingeben.


Außerdem können die Zentralbanken an der Zinsschraube drehen: FED, EZB und Co. beeinflussen mit der Festlegung des sogenannten Leitzinses maßgeblich, was es an Zinsen bringt, wenn das Geld auf dem Konto liegt, und wie viel Zinsen es kostet, wenn man sich kurzfristig Geld von der Bank leihen möchte. Um die Wirtschaft anzukurbeln, haben die Zentralbanken die Zinsen in den letzten Jahren niedrig gehalten. Denn wenn das Geld auf dem Konto nichts bringt, geben wir es eher aus. Und weil es billig ist, Geld zu leihen, also einen Kredit aufzunehmen, verschulden sich viele Menschen und Unternehmen, um noch mehr zu konsumieren oder zu investieren. Der steigende Konsum sorgt für eine hohe Nachfrage und treibt die Preise in die Höhe. Dem können die Zentralbanken entgegenwirken, indem sie den Leitzins Schritt für Schritt erhöhen. Dann lohnt es sich eher, das Geld auf dem Konto zu lassen, der Anreiz zum Sparen steigt. Und Kredite werden teurer. Das hat zur Folge, dass die Nachfrage sinkt – und mit ihr die Preise.


Noch liegt der Leitzins in den USA und in Europa bei nicht einmal einem Prozent, aber es ist davon auszugehen, dass zunächst die FED und bald auch die EZB die Zinsen in mehreren Schritten erhöhen werden. Einen ersten Schritt hat die FED im März gemacht, indem sie Leitzins von 0-0,25% auf 0,25-0,5% angehoben hat. Auch mit dem Zurückfahren der Anleihekäufe wurde begonnen. Doch Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Maßnahmen nicht von heute auf morgen die Teuerungsrate deutlich absinken lassen. Vieles deutet darauf hin, dass die Inflation uns noch eine Zeit lang begleiten wird.  

Noch mehr gewusst: "Der Warenkorb"

Die rund 750 Güter, die im Verbraucherpreisindex enthalten sind, bilden eine Mischung der Produkte ab, die ein deutscher Durchschnittshaushalt mit 2,3 Personen nach Vorgaben des Statistischen Bundesamts benötigt. Auf dieser Basis wird die Teuerungsrate berechnet. Dazu gehören Ausgaben in fast allen Lebensbereichen, zum Beispiel Friseurkosten, Brief- und Paketdienstleistungen, Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel, Lebensmittel von Kaffee über Brot bis Fleisch und Gemüse, Miete und Energiekosten, Möbel, Pauschalreisen. Die Güter werden entsprechend ihrer durchschnittlichen Größe in den monatlichen Haushaltsausgaben gewichtet, entsprechend haben beispielsweise die Miete und die Energiekosten eine Gewichtung von fast einem Drittel. Zwischen Januar 2021 und Januar 2022 am stärksten gestiegen sind die Preise für Flüssiggas, sie haben um 44,5 Prozent zugenommen. Am unteren Ende stehen die Preise für Computersoftware, sie haben um 5,5 Prozent abgenommen.

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