5 Tipps, wie du Finanzkrisen meistern kannst
Die meisten Investments leben von deiner Ausdauer. Dabei geht es durch Kursschwankungen mal auf und mal ab. Wenn du einen kühlen Kopf bewahrst und turbulente Zeiten an der Börse richtig nutzt, kannst du oftmals besonders von einem langfristigen Investment profitieren. Wie du Krisen teilweise sogar für dich nutzen kannst, erfährst du mit unseren fünf Tipps.
1. Bei Kapitalanlagen Wert und Preis unterscheiden
Bevor du die Schwankungen an der Börse verstehst, ist es wichtig, den Unterschied zwischen Preis und Wert zu kennen:
- Die Kurse, die du an der Börse siehst, sind Preise – also das, was du aktuell für einen Anteil an einer Aktie, Anleihe, einem Rohstoff oder Fonds bezahlen müsstest. Diese Preise schwanken, weil Angebot und Nachfrage sich ständig ändern.
- Der (faire) Wert einer Kapitalanlage dagegen berücksichtigt die heutige Substanz eines Unternehmens und dessen erwarteter Entwicklung. Dazu zählen beispielsweise die aktuelle Ertragskraft, das Eigenkapital, Sachwerte wie Immobilien oder Patente und natürlich die künftigen Gewinne oder Verluste, die ein Unternehmen erwirtschaften kann. Das kann dazu führen, dass der aktuelle Preis zeitweise deutlich höher oder niedriger liegt als der „eigentliche“ Wert.
Ein Beispiel dazu: Stell dir vor, du hast einen Kühlschrank für 450 Euro gekauft und bist sehr zufrieden: Er ist energieeffizient, bietet viel Platz und funktioniert zuverlässig. Nach zwei Monaten entdeckst du jedoch, dass derselbe Kühlschrank im Internet wegen geringer Nachfrage plötzlich nur noch die Hälfte kostet. Die Frage ist: Würdest du ihn deshalb verkaufen, obwohl du zufrieden bist? Wahrscheinlich nicht, denn am tatsächlichen Wert des Gerätes hat sich ja nichts geändert.
Für Kapitalanlagen gilt dasselbe Prinzip: Der Preis kann kurzfristig fallen, aber die Substanz – und damit der langfristige Wert – bleibt oft erhalten oder erholt sich wieder. Mit dieser Sichtweise kannst du deine Ängste und Bedenken besser kontrollieren und Entscheidungen möglichst rational treffen.
2. Bei Krisen Ruhe bewahren
In Krisenzeiten (etwa der Dotcom-Crash 2000–2002, die Finanzkrise 2007–2009, der Corona-Crash 2020 oder die Inflations- und Zinskrise ab 2022) herrscht oft große Unsicherheit über die weiteren wirtschaftlichen Folgen. In solchen Phasen reagieren viele Marktteilnehmende nervös: Manche verkaufen aus Angst vor noch größeren Verlusten, andere Positionen werden automatisch über Stop-Loss-Orders abgestoßen. Diese Sicherungssysteme sollen eigentlich das Risiko von Verlusten begrenzen, können in turbulenten Märkten jedoch selbst zu zusätzlichen Verkäufen führen – und so die Abwärtsspirale weiter beschleunigen.
Deshalb gilt: Bewahre gerade jetzt Ruhe! Erinnere dich an deine ursprüngliche Strategie. Was war dein Ziel? Warum hast du investiert, wie lange willst du investiert bleiben, und welche Kursschwankungen hast du dir von Anfang an als vertretbar gesetzt? Wer diesen individuellen Rahmen kennt und akzeptiert, reagiert in Stressphasen oft überlegter.
Eine Garantie für die Marktentwicklung gibt es nie. Die kurzfristigen Aussichten in Krisen wirken oft wie ein Blick in eine neblige Kristallkugel. Langfristig jedoch zeigt die Erfahrung, dass sich Wirtschaft und Finanzmärkte bislang nach jeder größeren Krise innerhalb von fünf, zehn oder dreißig Jahren wieder deutlich erholt haben.
3. Die Krise für dich nutzen
Krisen sind nie angenehm – sie verunsichern und führen zu starken Schwankungen an den Märkten. Doch genau in solchen Phasen können an den Kapitalmärkten Chancen entstehen: Wenn Kurse und Preise fallen, kannst du für langfristige Investitionen günstiger einsteigen. Wer etwa klassische Aktienfonds oder ETFs während einer Schwächephase kauft, kann die gleichen Fonds nach einer Erholung der Märkte zu höheren Preisen wieder verkaufen.
Kurzfristig können Renditen je nach Marktphase unverhältnismäßig positiv oder negativ ausfallen. Historisch lässt sich an der Kursentwicklung großer Aktienindizes erkennen, dass Krisen den Wachstumstrend nur zeitweise unterbrochen haben. Wer also in Krisenzeiten investierte und über Jahre oder Jahrzehnte dabeiblieb, konnte selbst nach schwierigen Phasen meist positive Renditen erzielen.
Vergangene Entwicklungen sind keine Garantie für die Zukunft. Sie zeigen aber deutlich: Schwere Einbrüche können langfristig eher Einstiegschancen als endgültige Verluste sein – vorausgesetzt, du vermeidest typische Fehler. Dazu zählen einseitige Wetten auf einzelne Aktien oder das unüberlegte Hinterherlaufen kurzlebiger Trends. In solchen Fällen ist das Ergebnis nicht selten auch langfristig ein kleineres Vermögen als das ursprünglich investierte.
Hinterfrage deshalb am besten deine Anlagestrategie regelmäßig und stelle sie auf den Prüfstand: Passt dein Risikoempfinden noch? Ist dein Anlagehorizont unverändert? Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, zusätzliches Kapital langfristig anzulegen. Ein Gespräch mit deiner Beraterin oder deinem Berater kann helfen, die richtige Richtung einzuschlagen.
4. Wie du vorhandenes Geld einsetzt
Wenn du langfristig anlegst und darauf vertraust, dass die Weltwirtschaft auch diese Krise überwinden wird, stellst du dir vielleicht oft die Frage: Wann ist der beste Zeitpunkt zum Einstieg?
Das Problem: Niemand weiß verlässlich, wann der tiefste Punkt erreicht ist. Wenn du dein gesamtes Kapital auf einmal investierst, läufst du deshalb Gefahr, genau vor einem weiteren Kursrückgang einzusteigen.
Eine Lösung ist daher, Einmalanlagen in mehrere Tranchen aufzuteilen und nach und nach zu investieren – so ähnlich wie bei einem Sparplan, etwa einem ETF-Sparplan oder einem klassischen Fonds-Sparplan. Damit verteilst du dein Einstiegsrisiko auf verschiedene Zeitpunkte. Kaufst du mal zu höheren, mal zu niedrigeren Kursen, ergibt sich über die Zeit ein ausgewogener Durchschnittspreis. Dieser Mechanismus wird Cost-Average-Effekt genannt.
Ein Beispiel: Statt 10.000 Euro auf einmal zu investieren, legst du in zehn Monaten jeweils 1.000 Euro an. Fällt der Kurs zwischendurch, kaufst du in diesem Monat automatisch mehr Anteile für dein Geld. Steigt der Kurs, erhältst du etwas weniger Anteile. So zahlst du am Ende weder durchgehend hohe noch durchgehend niedrige Preise, sondern erzielst einen Durchschnittskurs – und verhinderst, dass du dein gesamtes Kapital genau zum ungünstigsten Zeitpunkt investierst.
Mit speziellen Kombiplänen kannst du sogar eine größere Einmalanlage wie einen Sparplan strukturieren: Du investierst einen Teil sofort und den Rest nach und nach. So kannst du von den Chancen der Märkte profitieren, ohne dich allein auf den „perfekten Zeitpunkt“ verlassen zu müssen.
5. Liquidität sichern – für Krisenzeiten gewappnet sein
Krisenzeiten können unerwartet finanzielle Engpässe mit sich bringen – sei es durch Jobunsicherheit, unerwartete Ausgaben oder Marktschwankungen. Deshalb ist es wichtig, genügend liquide Reserven zu halten, also Barmittel oder schnell verfügbare Gelder, die nicht in langfristigen Anlagen gebunden sind.
Diese Rücklage hilft dir, kurzfristige finanzielle Bedürfnisse zu decken – so bist du nicht gezwungen, Wertpapiere in einer schlechten Marktphase zu verkaufen. Wenn du deine Reserven klug planst, behältst du in Krisensituationen den nötigen Handlungsspielraum und kannst dich mit ruhigem Gewissen auf deine langfristige Anlagestrategie konzentrieren – für den Vermögensaufbau, deine Altersvorsorge oder für andere Zwecke.
Eine oft empfohlene Faustregel lautet: Lege drei bis sechs Monatsausgaben als Notgroschen zurück. Wenn deine monatlichen Ausgaben beispielsweise 2.000 Euro betragen, bedeutet das eine Rücklage von 6.000 bis 12.000 Euro.
Mit diesem finanziellen Polster bist du für viele unerwartete Ereignisse gut gerüstet und kannst auch in unsicheren Zeiten ruhig und fokussiert bleiben.
Tipp
In der Altersvorsorge mit Investmentfonds kannst du in der Regel jederzeit zusätzliches Geld einzahlen und so langfristig von günstigen Kursen profitieren. Sprich deine Beraterin oder deinen Berater darauf an!
Du hast noch Fragen rund um das Thema Investment?
Fazit: Mit Strategie durch Krisen zum Erfolg
Krisen am Finanzmarkt sind unvermeidbar, aber mit den richtigen Ansätzen kannst du sie meistern – und sogar nutzen. Diese fünf Tipps helfen dir dabei:
- Unterscheide zwischen Marktpreis und fairem Unternehmenswert. So vermeidest du unnötige innere Unruhe bei Kursschwankungen.
- Bewahre Ruhe und halte dich an deinen langfristigen Plan.
- Nutze günstige Einstiegskurse, aber streue breit und vermeide Spekulationen.
- Verteile Einmalanlagen über längere Zeitspannen und nutze so den Cost-Average-Effekt.
- Sichere Liquidität als Polster für unvorhergesehene Engpässe.
Ausdauer, Disziplin und ein kühler Kopf sind deine besten Verbündeten. So verwandelst du Marktturbulenzen in Chancen für deinen Vermögensaufbau. Hast du Fragen oder möchtest du deine Strategie optimieren? Unsere Expertinnen und Experten beraten dich gerne persönlich!