5 Tipps für fortgeschrittene Anlegerinnen und Anleger

Du hast bereits erste Erfahrungen an den Finanzmärkten gesammelt und möchtest dein Investment-Wissen auf die nächste Stufe heben? Dann bist du hier richtig. Die folgenden 5 Tipps richten sich speziell an fortgeschrittene Anlegerinnen und Anleger, die ihre Finanzstrategie verfeinern und ihr Portfolio professioneller aufstellen möchten. Von der emotionalen Disziplin bis hin zu alternativen Anlageklassen – diese Tipps können dir dabei helfen, typische Fallstricke zu vermeiden und neue Chancen zu entdecken.

5 praktische Tipps für Investment-Neulinge

1. Unabhängige und vorausschauende Entscheidungen treffen

Warren Buffett, einer der erfolgreichsten Investoren des 20. Jahrhunderts, sagte einmal: „Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.“ Was steckt hinter diesem Satz? Das ist gar nicht so schwer:

Stelle dir vor, Anlegerinnen oder Anleger lassen sich von einem Hype um bestimmte Aktien mitreißen und achten ausschließlich auf die Kursentwicklung. Dann überprüfen sie oft nicht, ob für das Unternehmen hinter der entsprechenden Aktie weiteres Kurswachstum zu erwarten ist. Am Kapitalmarkt geht es nicht nur um Aspekte wie die aktuelle Profitabilität und die Veränderung der geschäftlichen Rahmenbedingungen. Es geht auch darum, welche künftigen Erwartungen an das Unternehmen bereits heute im Kurs eingepreist sind.

Ein Hype macht außerdem Überbewertungen wahrscheinlicher. Dabei steigt die Nachfrage nach der Aktie – und somit der Preis –, obwohl der zugrundeliegende faire Unternehmenswert diesen Kursanstieg nicht rechtfertigt. Wenn der Kurs nicht durch die künftige tatsächliche Geschäftsentwicklung gestützt wird, können bei einer Trendumkehr massive Verluste drohen.

Aus Angst, den Trend zu verpassen, tätigen Anlegerinnen und Anleger ihre Investments häufig überstürzt und ohne ausreichende Analyse. Du siehst: FOMO („Fear of missing out“, also die Angst von Anlegerinnen und Anlegern, eine lukrative Gelegenheit zu verpassen) und das, was unschön und gleichzeitig treffend „Herdentrieb“ genannt wird, gibt es auch im Finanzbereich.

Beim Aktienkauf helfen vor allem ruhig Blut, rationale Überlegung und ein tieferer Blick in die Zahlen des jeweiligen Unternehmens. Ein langer Anlagehorizont und Diversifikation (siehe dazu weiter unten mehr) lassen den zeitweiligen Absturz einzelner Aktien nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Nun braucht die Auseinandersetzung mit Einzelaktien viel Zeit und Interesse an der Materie. Du kannst es dir aber auch einfacher machen und gleich in gemanagte Aktienfonds investieren, bei denen Profis auf Basis ihrer Expertise Entscheidungen für dich treffen. Auch bei der Auswahl unter tausenden von Investmentfonds können Finanzberaterinnen und -berater einen wertvollen Beitrag leisten.

2. Die Stärken von ETFs in Hochphasen und von gemanagten Fonds in Krisen

ETFs (börsengehandelte Fonds, die meist einen Index wie den DAX oder den MSCI World nachbilden) waren in den letzten Jahren ein sehr beliebtes Finanzinstrument: Weil sie börsengehandelt sind, sind sie in der Regel einfach zu kaufen und zu verkaufen. Durch die passive Nachbildung fallen die Aufwände für das Management weg, was ETFs meist günstiger als gemanagte Fonds macht. Nicht zuletzt ist die Zusammensetzung von ETFs transparent nachvollziehbar, sofern diese ihre Bestände täglich offenlegen.

Ihre Stärken haben ETFs in Trendmärkten, denn insbesondere große Marktindizes wie der MSCI World sind üblicherweise marktkapitalisierungsgewichtet. Das bedeutet: Unternehmen mit hohem Börsenwert nehmen automatisch einen größeren Anteil im Index (und damit im ETF) ein. Läuft etwa der US-Technologiesektor sehr gut, wächst dessen Gewichtung im ETF immer weiter.

In positiven und langanhaltenden Markttrends („Bullenmarkt“) verstärkt sich so der Effekt: Starke Unternehmen oder Sektoren erhalten ein noch größeres Gewicht, was die Rendite eines passenden ETFs in diesem Umfeld beschleunigt.

Ein Beispiel: Derzeit (Mitte 2025) stehen lediglich 10 Unternehmen im MSCI World für 25 Prozent der Gewichtung der knapp 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Zudem stammen 71 Prozent der gewichteten Firmen aus den USA.

Der Nachteil ergibt sich in Trendwenden oder (finanziellen) Krisen an den Kapitalmärkten („Bärenmarkt“): Die hohe Konzentration (auch „Klumpenrisiko“ genannt) auf wenige Unternehmen oder Länder bedeutet, dass der ETF besonders empfindlich auf Abschwünge dieser Segmente reagiert. Fällt etwa beim MSCI World der US-Markt oder performen die großen Tech-Unternehmen schlecht, zieht das den gesamten ETF stärker nach unten als bei einem breiter gestreuten oder anders gewichteten Portfolio.

In Krisenzeiten und Bärenmärkten konnten in der Vergangenheit aktiv gemanagte Fonds gegenüber ETFs ihre Stärken meist besser ausspielen: Das Fondsmanagement kann bei drohenden oder beginnenden Krisen umschichten, Klumpenrisiken aktiv reduzieren und defensive Positionen eingehen – zum Beispiel, indem sie weniger in US-Tech-Aktien und mehr in defensive Branchen investieren. Als defensive Branchen gelten solche, die auch in wirtschaftlich schwierigen Phasen relativ stabile Umsätze erzielen, weil ihre Produkte und Dienstleistungen zum täglichen Bedarf gehören oder systemrelevant sind. Das sind zum Beispiel Branchen aus dem Gesundheitswesen, Basiskonsumgüter sowie Gas-, Strom- und Wasserversorger. Diese Branchen zeigen sich tendenziell weniger konjunkturanfällig und bieten dadurch einen gewissen Schutz vor starken Kurseinbrüchen.

Durch die Aktivitäten des Fondsmanagements lassen sich potenziell – besonders kurzfristig – in schwierigen Marktphasen bessere Ergebnisse trotz höherer Gebühren erzielen.

3. Diversifikation, Timing und Korrelation sind Trumpf


Beim langfristigen Vermögensaufbau sind drei Dinge besonders wichtig:

  • Diversifikation: Diversifikation bedeutet, dass du eventuelle Klumpenrisiken möglichst reduzierst – also breiter gefächert investierst, um das finanzielle Risiko bei Kursschwankungen oder negativen Kursentwicklungen insgesamt zu verringern. Klumpenrisiken können sich dadurch äußern, dass Regionen, Themen, Branchen oder Anlageklassen sehr hoch gewichtet sind. Dadurch können sich wirtschaftliche Probleme in diesen Bereichen sehr stark auf das investierte Vermögen auswirken. Deshalb ist es ratsam, dass du – je nach Anlageziel und Vermögenssituation – nicht nur in Aktienfonds investierst, sondern auch andere Anlageklassen über verschiedene Regionen hinweg einbeziehst. Das können bei börsengehandelten Anlageklassen beispielsweise Anleihen sein (Rentenfonds). Alternative Investments wie Rohstoffe (z. B. Edelmetalle wie Gold) können trotz auch hier bestehender Risiken weiter zur Stabilität eines Vermögens beitragen. Weiterhin gibt es noch Investments abseits der öffentlichen Börsen, die so genannten Private Markets (siehe weiter unten). Dort können Anlegerinnen und Anleger Chancen außerhalb des Herdentriebs und der oftmals sehr dynamischen Kursentwicklungen an den Börsen finden.
  • Zeitpunkt deiner Investitionen: Alternativ kannst du zeitlich streuen und stückweise investieren und so das „Timing-Risiko“ reduzieren. Bei Sparplänen nennt sich das Cost-Average-Effekt, da du regelmäßig investierst und so in der Regel zu einem durchschnittlichen Kurs investierst.
  • Korrelation: Die verschiedenen Anlagen verhalten sich häufig bei Marktveränderungen nicht gleich; Messen lässt sich dieser Zusammenhang zweier Anlageklassen über die so genannte Korrelation. Weil verschiedene Anlageklassen oft nicht gleichzeitig in die gleiche Richtung schwanken, trägt ihr Zusammenspiel dazu bei, dein Portfolio in Krisenzeiten zu stabilisieren und das Gesamtrisiko zu senken.

Eine qualifizierte Diversifikation berücksichtigt auch die Korrelation der einzelnen Portfoliokomponenten zueinander, damit die Renditequellen möglichst unabhängig voneinander sind.

Diversifikation, Korrelation und Timing der Investitionen gehören bereits in den Bereich des Vermögensmanagements, also der Strukturierung vorhandenen Vermögens: Wie kannst du viel Geld sinnvoll anlegen oder wie ergänzt du das Portfolio zielsicher?

Unsere Profis unterstützen dich sehr gerne bei diesem spannenden Prozess; lass dich gerne von ihnen beraten.

4. Erschließe Privatmärkte für dich

Vermögensverwalter und Family Offices (also beratende Organisationen, die das Vermögen wohlhabender Personen oder Familien verwalten) investieren schon lange zusätzlich in sogenannte Privatmärkte (engl. „Pivate Markets“).  Privatmärkte sind Märkte für Beteiligungen und Kapitalanlagen, die nicht an öffentlichen Märkten („Public Markets“) wie der Börse gehandelt werden. Dabei umfasst der Begriff nicht nur Beteiligungen an Unternehmen (Private Equity), sondern auch Investitionen in andere Anlageklassen wie Immobilien, Infrastrukturprojekte oder Privatkredite. Private Markets bieten damit einen breiteren Zugang zu verschiedenen Vermögenswerten jenseits von börsengehandelten Wertpapieren und ermöglichen so eine zusätzliche Diversifizierung und damit Stabilisierung von Depotschwankungen sowie weitere Renditechancen. Diese Anlagen zeigen sich oft weniger volatil, weil sie nicht den täglichen Kursschwankungen und dem emotionalen Herdentrieb der Börse (siehe Punkt 1) unterliegen. Das bedeutet, sie sind weniger von kurzfristigen Panikverkäufen oder Begeisterungswellen betroffen.

Private Märkte haben oft hohe finanzielle Einstiegshürden – meist ab einem sechs- bis siebenstelligen Bereich. Zudem ist es fraglich, ob du als Privatperson Zugang zu den Privatmärkten bekommst, wenn dir der Weg über Vermögensverwaltende oder Family Offices nicht möglich ist.  Deshalb kann es sich anbieten, in ELTIFs zu investieren.

ELTIFs sind "European Long-Term Investment Funds", also europäische langfristige Investmentfonds, die die EU zu bestimmten Zwecken geschaffen hat. Das Ziel ist etwa, insbesondere Privatanlegenden den Zugang zu europäischen Investitionen in langfristige Sachwerte und Infrastrukturprojekte zu ermöglichen – und zwar zu solchen, die sich nicht schnell in Bargeld umwandeln lassen und typischerweise nicht an der Börse gehandelt werden. ELTIFs investieren in Vermögenswerte wie Infrastruktur (z. B. erneuerbare Energien, Verkehr, soziale Infrastruktur), Private-Equity (Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen), Private Debt (Kredite an Unternehmen) und Immobilien.

Besonders im Bereich Private Equity sind trotz auch hier bestehender Risiken oft höhere Renditen möglich als an öffentlichen Märkten. Gründe dafür sind, dass diese Unternehmen nicht so transparent über ihre Geschäftsentwicklung berichten müssen wie börsennotierte Aktienunternehmen, und dass es daher auch nicht so viele Analystenbewertungen dazu gibt.

Eine unter vielen anderen Strategien besteht etwa darin, Unternehmen mit etablierten Geschäftsmodellen mehrheitlich zu erwerben und aktiv weiterzuentwickeln – etwa durch Internationalisierung oder das Heben von Synergien – um sie dann zu höheren Preisen wieder zu verkaufen. Du kannst das mit dem Finden eines Rohdiamanten vergleichen, der durch sorgfältige Bearbeitung einen Brillantschliff erhält und anschließend im Schaufenster zum Verkauf steht. Dies ist ein aktiver Wertschöpfungsprozess, der sich deutlich vom bloßen Kauf und Verkauf von Aktien nach Erreichen eines fairen Werts unterscheidet. Da dieses Segment aber auch weniger liquide ist, müssen die Anbietenden mehr Rendite bieten. Die Verfügbarkeit ist nicht so hoch wie an öffentlichen Märkten.

Auch durch Investitionen in Bereiche wie Infrastruktur (z. B. Straßen und Energieanlagen) kannst du das Risiko in deinem Portfolio breiter streuen. Der Grund dafür ist, dass diese Investments oft andere Wertentwicklungen zeigen als traditionelle Börsenanlagen.

5. Lass dich professionell beraten


Selbst wenn du dich in der Investment-Welt schon gut auskennst, ist es sicher nicht verkehrt, wenn du dir eine zweite Meinung zu deinen Überlegungen und Vorhaben einholst. Mit einem Profi kannst du deine Gedanken, Einschätzungen und Ideen diskutieren.

Andere Menschen haben andere Perspektiven und können dir durch den externen Blick etwa dabei helfen, Risiken aufzudecken und zu vermeiden, die dir allein vielleicht gar nicht aufgefallen wären. Und sie zeigen dir eventuell auch Chancen auf, die dir bisher entgangen waren. Nach dem Austausch haben sich deine Pläne entweder bestätigt – oder du hast Neues gelernt, das dir hilft, bessere Entscheidungen zu treffen. 

Hast du schon die richtige Strategie für dein Investment?

Die Beraterinnen und Berater von tecis sind gespannt auf deine Investment-Pläne und freuen sich darauf, dir durch fachlichen Rat zu der Investitionsstrategie zu verhelfen, die am besten zu dir passt.